Letztens im großartigen Deutschen Literaturarchiv Marbach gesehen: auf Knopfdruck generiert der Poesieautomat nach einigen Sekunden eine neue Poesie-Version: Landsberger Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger

Weitere schräge Trouvaillen aus Marbach werden folgen.

In Moritz von Uslars Roman “Deutschboden” heisst es über die Dorfkneipe im fiktiven – aber wahrscheinlich leicht auffindbaren – Dorf Oberhavel:

Da waren wirklich alle Typen miteinander zugange, also Dauer-blau mit Freitagabend-blau mit Gerade-ausgelernt mit Alles-gehabt-alles-verloren mit Die-Geschäfte-laufen mit Noch-nie-gearbeitet mit Du-musst-ein-Schwein-sein mit Scheiß-Weiber-Scheiß-Politiker mit Ich-kenne-mich-aus-in-den-modernen-Zeiten mit Lass-mal-gut-sein-Alter.

Das fanden wir schön.

Luciferase

Kategorie: Gedacht, Gelesen

Neues aus der Kategorie “Ach, denk mal an…”.

Aus lauter Frühlingsgefühlen (der Schnee schmilzt, das Licht ist langsam wieder ausreichend und zu allem Überfluß zwitschern die Vögel (die richtigen, nicht die Twitterer) so, als ob der Frühling schon vor der Tür steht) im “Neugierigen Gärtner” von Jürgen Dahl gelesen. Jürgen Dahl, das war jener mutige und dazu noch gut schreibende Gärtner, der offenbar so gut wie alles in seinem Garten gekocht oder gebraten, auf jeden Fall gegessen hat, was nicht bei 3 auf den Bäumen oder eben einfach kein Baum war und eben auch im “Stinkegarten” (so ein Buchtitel) stehen konnte. Also Blätter, Blüten, Wurzeln und was es sonst noch so an Pflanzenteilen geben mag: alles rein in den Topf und abgebissen. Nun, steinalt ist er damit leider nicht geworden, aber er hat großartige, nachdenkliche und vor allem ruhige Bücher über das stille Glück des Gärtners und Pflanzenliebhabers geschrieben.

Und was lese ich da: der Stoff, der die Glühwürmchen zum Glühen bringt, heißt “Luciferase”. Wie schön, das so kleine Tierchen auch etwas vom Teufel in sich haben. Oder ist der Teufel gar nicht Luzifer? Liebe Bibelfeste, geht voran und leistet wenigstens einmal im Leben Aufklärung, die Kommentarfunktion ist geöffnet.

Und was hat Jürgen Dahl sonst noch so gesagt?

Wir hegen den Garten und der Garten hegt uns – aber was von weitem aussieht wie eine Idylle, ist in Wahrheit der verzweifelte Versuch, ein winziges Stück Erde aus dem großen Krieg gegen die Natur herauszuhalten. Nicht die Flucht ins kleine Glück also, sondern Widersetzlichkeit, Partisanentum.

Eben.

Der alte Lenin wars, der einst spottete: “Wenn ein Deutscher einen Bahnhof besetzen will, dann kauft er sich erst mal eine Bahnsteigkarte”. ((Leider konnten wir dieses Bonmot nicht verifizieren, eventuell handelt es sich dabei auch um eines der vielen kulturellen Mißverständnisse, eine urban legend des Feuilletons. Den werten Lesern sei in diesem Zusammenhang ein überaus intelligentes und witziges Buch von Eckhard Henscheid, Gerhard Henschel und Brigitte Kronauer empfohlen, ach was, ans Herz gelegt: Kulturgeschichte der Mißverständnisse: Studien zum Geistesleben )) Und nichts, wirklich nichts anderes erwarten wir ja auch von unseren mülltütentragenden Gewerkschaftern.

Um so mehr amüsiert uns nun, dass der Journalist Udo Ulfkotte, wie die Telepolis berichtet, ein Buch namens Vorsicht Bürgerkrieg! Was lange gärt, wird endlich Wut geschrieben hat. Und niemand sollte der schillernden Figur des Herrn Ulfkotte die Befähigung dazu absprechen, lebte er doch lt. Wikipedia lange in politisch instabilen Staaten und wollte 2007, ebenfalls lt. Wikipedia, “seine neue Partei auf der Grundlage von Bürger in Wut gründen”. Zur, vorsichtig gesagt, problematischen Ausrichtung von Herrn Ulfkotte gibt ebenfalls der Wikipedia-Artikel unter der Zwischenüberschrift Kritik und Resonanz beredte Auskunft.

Viel mehr hat uns aber amüsiert, was die Telepolis über Udo Ulfkottes neues Buch zu schreiben weiß:

Für das Buch, das im wenig vertrauenserweckenden Kopp Verlag – dem nach eigener Darstellung “Verlag und Fachbuchversand für Enthüllungsliteratur, Verschwörungen, unterdrückte Informationen und Erfindungen und Geheimgesellschaften” – erscheint, wird auch so geworben: “Immer, wenn in der Geschichte eine schwere Wirtschaftskrise, ethnische Spannungen und staatlicher Machtzerfall zusammen kamen, hat es blutige Bürgerkriege und ethnische Säuberungen gegeben. Die Geschichte wiederholt sich. Was können Sie tun, um sich und Ihre Familie noch rechtzeitig zu schützen? Inklusive großer Deutschlandkarte zum Herausnehmen. Mit allen bürgerkriegsgefährdeten Gebieten.”

So wird das kommen, dass der antifiskalische Bürgerkrieg losbricht und sich verängstigte Industriellenfamilien (die Burdas auf einem von Pferden gezogen Aston Martin, Frau Schaeffler gut-döhnhoffisch auf einem Trakehnerhengst, ihren Pelzmantel als provisorischen Sattel nutzend, der Ackermann, getarnt als Bettler, zu Fuß auf dem Weg nach Lichtenstein) durch Deutschland schleichen müssen, in der Tasche immer die schon ganz abgegriffene Deutschlandkarte von Udo Ulfkotte, die sie ständig heraussuchen, um dem nächsten Krisenherd auszuweichen, einer weiteren Verprügelung durch geprellte Steuerzahler zu entgehen und dem wütenden Mob auszuweichen.

So wirds kommen. Ehrlich.

Das wollte ich ja schon lange mal machen (und hier ist das “block”-quote auch genau das richtige Format):Finnegans Wake, das Meisterwerk des großen, allzu großen James Joyce, kann man jetzt auch online lesen. Da gibt es keine Ausrede mehr, da muss es jetzt in der Pause heißen “Du, tut mir leid, ich kann nicht mitkommen zum Essen, ich lese gerade online Finnegans Wake.” Hier eine kleine Kostprobe:

Booil. Poor old dear Paul Horan, to satisfy his literary as well as his criminal aspirations, at the suggestion thrown out by the doomster in loquacity lunacy, so says the Dublin Intelligence, was thrown into a Ridley’s for inmates in the northern counties. Under the name of Orani he may have been the utility man of the troupe capable of sustaining long parts at short notice. He was. Sordid Sam, a dour decent deblancer, the unwashed, haunted always by his ham, the unwished, at a word from Israfel the Summoner, passed away painlessly after life’s upsomdowns one hallowe’en night, ebbrous and in the state of nature, propelled from Behind into the great Beyond by footblows coulinclouted upon his oyster and atlas on behanged and behooved and behicked and behulked of his last fishandblood bedscrappers, a Northwegian and his mate of the Sheawolving class. Though the last straw glimt his baring this stage thunkhard is said (the pitfallen gagged him as ‘Promptboxer’) to have solemnly said — as had the brief thot but fell in till his head like a bass dropt neck fust in till a bung crate (cogged!): Me drames, O’Loughlins, has come through! Now let the centuple celves of my egourge as Micholas de Cusack calls them, — of all of whose I in my hereinafter of course by recourse demission me — by the coincidance of their contraries reamalgamerge in that indentity of undiscernibles where the Baxters and the Fleshmans may they cease to bidivil uns and (but at this poingt though the iron thrust of his cockspurt start might have prepared us we are well-nigh stinkpotthered by the mustardpunge in the tailend) this outandin brown candlestock melt Nolan’s into peese! Han var. Disliken as he was to druriodrama, her wife Langley, the prophet, and the decentest dozendest short of a frusker whoever stuck his spickle through his spoke, disappeared, (in which toodooing he has taken all the French leaves unveilable out of Calomne-quiller’s Pravities) from the sourface of this earth, that austral plain he had transmaried himself to, so entirely spoorlessly (the mother of the book with a dustwhisk tabularasing his obliteration done upon her involucrum) as to tickle the speculative to all but opine (since the Levey who might have been Langley may have really been a redivivus of paganinism or a volunteer Vousden) that the hobo (who possessed a large amount of the humoresque) had transtuled his funster’s latitat to its finsterest interrimost. Bhi she. Again, if Father San Browne, tea and toaster to that quaint-esttest of yarnspinners is Padre Don Bruno, treu and troster to the queen of Iar–Spain, was the reverend, the sodality director, that eupeptic viceflayer, a barefaced carmelite, to whose palpi-tating pulpit (which of us but remembers the rarevalent and hornerable Fratomistor Nawlanmore and Brawne.) sinning society sirens (see the [Roman Catholic] presspassim) fortunately became so enthusiastically attached and was an objectionable ass who very occasionally cockaded a raffles ticket on his hat which he wore all to one side like the hangle of his pan (if Her Elegance saw him she’d have the canary!) and was semiprivately convicted of mal-practices with his hotwashed tableknife (glossing over the cark in his pocket) that same snob of the dunhill, fully several year-schaums riper, encountered by the General on that redletter morning or maynoon jovesday and were they? Fuitfuit.