Letztens im großartigen Deutschen Literaturarchiv Marbach gesehen: auf Knopfdruck generiert der Poesieautomat nach einigen Sekunden eine neue Poesie-Version: Landsberger Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger

Weitere schräge Trouvaillen aus Marbach werden folgen.

Sesam SchloßölNur die Jamie-Oliver-Anhängerinnen und ähnliche Kochshow-Gucker und Essensfetischisten werden sich ja ernsthaft mit Sesamöl befassen, aber das darunter Autobastler und andere mit Türschlössern befasste Zeitgenossen sein könnten, war uns neu.

Wir durften uns aber im skurrilen Autoteilezubehörladen um die Ecke vom ebenso eigentümlichen Personal, das auch schnell beim sog. beckenbaueresken (und in letzter Zeit kahnesken) “unpersönlichen Laden-Du” angekommen war (“Wenn Du den Knopf nicht mehr rausbekommst, da kann das noch helfen! Darf es sonst noch etwas für Sie sein?”), das darüber hinaus auch noch toll riechende “Sesam Schloßöl” verkaufen lassen.

Der schöne Name des Öls steht für Belesenheit und Mythenkenntnis der Hersteller, wir wünschen uns außerdem demnächst auf dem Markt:

  • Zyklop Augencreme
  • Uranos Unterhosen
  • Holofernes Messer
  • Prometheus Lebermedikament
  • Augias Putzmittel oder Biogasanlage
  • Änderungsschneiderei Penelope
  • Bestattungsinstitut Hades
  • Reaktorsicherheitskommission Kassandra

Letztens schon mal getwittert, aber jetzt hier nochmal für alle:

Update: Abschleppgefahr

Update: Abschleppgefahr

Natürlich nur ein Zitat vom hier schon gewürdigten lieben Peter Licht, der in seinem “Lied gegen die Schwerkraft” so schön gedichtet hat:

Und die Sonne kocht auch nur mit Wasser. Die soll sich nicht so aufspielen die gelbe Sau!

Wir nehmen das jetzt aber mal, frühlingstrunken wie wir sind, ganz wörtlich und zeigen, wie sich die Sonne aufspielt:

Tolles Video, gefunden bei Bad Astronomy, der dazu schreibt “That is so freaking cool”, woran (übrigens ein stark vernachlässigtes und doch so schönes, stark an die Galapagos-Inseln erinnerndes Wort, dieses “Woran”) man erkennt, dass “cool” im Englischen eben auch für die Sonne geht.

Tja, so schnell geht das, irgendwann staunen Menschen eine Floppy Disk (oder: demnächst: einen iPod mit “TASTEN”) an wie wir eine pergamentene Handschrift. Das Video erinnert mich an den von Tomasello beschriebenen “Wagenheber-Effekt“, der uns seiner Ansicht nach von den Tieren unterscheidet: mit jeder Generation kommen etwas Wissen und kulturelle Fähigkeiten hinzu. Wie man hier sieht, wird aber auch eine ganze Menge weggeschmissen, bzw. beim Hochklettern auf unserem evolutionären Ast beiseite gelegt.

Sehr schön und lehrreich, gefunden bei Kulturelle Welten, der es via Kulturwissenschaftliche Technikforschung via Sociological images hat.

In Moritz von Uslars Roman “Deutschboden” heisst es über die Dorfkneipe im fiktiven – aber wahrscheinlich leicht auffindbaren – Dorf Oberhavel:

Da waren wirklich alle Typen miteinander zugange, also Dauer-blau mit Freitagabend-blau mit Gerade-ausgelernt mit Alles-gehabt-alles-verloren mit Die-Geschäfte-laufen mit Noch-nie-gearbeitet mit Du-musst-ein-Schwein-sein mit Scheiß-Weiber-Scheiß-Politiker mit Ich-kenne-mich-aus-in-den-modernen-Zeiten mit Lass-mal-gut-sein-Alter.

Das fanden wir schön.

Wenn man in Frankfurt japanisch essen geht, kann man was erleben. Zum Beispiel, wenn man die Tageskarte nicht versteht (nein, “Okonomi” ist nicht das Spargericht…):

Japanische Tageskarte