Immerhin, Berlusconi ist schon weg. Weiter gehts…

Es muß etwas passieren

Ach, man kann ja so viel dazulernen, wenn man die Zeitung aufmerksam liest (und zwar die aus Papier, auf dem iPad lernt man ja rein gar nichts;-). Im Zusammenhang mit der Herabstufung der britischen Banken heißt es heute in der FAZ auf der ersten Seite des Wirtschaft-Teils, S.13:

Ähnlich wie auch andere europäische Großbanken hatte die RBS zwar den jüngsten Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) im Sommer bestanden. Allerdings wurde damals auf politischen Wunsch hin keine umfangreiche Umschuldung Griechenlands in die Tests mit einbezogen. Es wurden nur Abschreibungen von Staatsanleihen im Handelsbuch der Banken im Mai 2011 berücksichtigt. Auch wurde die Liquiditätsausstattung der Institute nicht unter die Lupe genommen, was die Notlage der Dexia erklärt. [meine Hervorhebung]

Da fragt man sich natürlich als normal finanzierter Mensch, der mit Soll und Haben und dem Geld rechnet, das halt gerade da ist, wieso man bei einem “Stresstest” (für uns ohnehin das sinnloseste und dümmste Wort der Saison, neben “alternativlos” und “Restrisiko”) die Liquiditätsausstattung nicht berücksichtigt, die doch gerade das aktuelle Problem darstellt (in einfachen Worten: Geld, das man nicht hat, kann man auch nicht ausgeben, verleihen oder verbürgen).

Mannomann, der Film ist von 1976, irgendwie also von gestern, aber tatsächlich klingt das doch wie heute:

Es gibt auch eine deutsche Version und einen Piraten-Remix mit aktualisiertem Bildmaterial. Viel Spaß damit!

Die Schulden greifen anHmm, geht das nur mir so, oder sollte Spiegel Online und in der Folge die New York Times mal die genutzte Bildsprache in Sachen der verschuldeten Euro-Länder überdenken?

Zu Studienzeiten lief ja sowas noch unter Kollektivsymbolik und war der – zweitweise vielversprechende – Versuch, der vor allem im klassischen Journalismus grassierenden und im Internet jetzt zunehmend ins Visuelle schwappenden Suche nach “eingängigen” Bildern eine Analyse entgegenzustellen. Die Überlegung war, dass die benutzten “Bilder” (“Das Boot ist voll”, “die Kassen leer”, das “Staatssäckel” in Gefahr, Atomkraft eine “Brückentechnologie”) eben nicht zufällig sind und die damit geprägte oder sogar geschaffene Kollektivsymbolik Handlungswege zuläßt, versagt oder ausblendet, wo es doch oft, trotz der von der Politik wieder und wieder – und in letzter Zeit verstärkt – verargumentierten “Alternativlosigkeit”, auch ganz andere Lösungen geben könnte.

Und wie sieht das hier aus? “Die Schulden greifen an”, könnte man meinen. Wo es doch praktisch in der Sache um Geldströme geht, die gerade in der anderen Richtung fließen als hier in der Grafik dargestellt. Aber das würde wahrscheinlich nur halb so dramatisch, nur halb so gefährlich und vor allem nur halb so bedrohlich für das kleine unschuldige Deutschland aussehen.

Was hier in so flotter informationsgrafischer Weltkriegsmanier daherkommt, ist eben auch die Angst des kleinen, eingemauerten Staates vor der bösen Welt da draußen, das Reihenhaus-Home-Sweet-Home-Eigenheim in der Staatengemeinschaft, das vom “Fremden” attackiert wird und der Großmutti das Geld aus der Matratze klaut.

Merkwürdig, eine echte Ungleichzeitigkeit im Zeitalter der globalen, entgrenzten und unsichtbaren Geldströme.

Wann schließen wir unsere Grenzen?

Diese Griechen

Diese Griechen

Einer eurer berühmten Vorgänger:

Erysichthon, Sohn des thessalischen Königs Triopas, hatte an einem heiligen, der Ceres gehörigen Hain gefrevelt, und während die Dryaden darum tanzten, eine der schönsten Eichen gefällt; die Nymphen baten die Göttin um Rache, und sie plagte ihn nun mit einem nicht zu stillenden Hunger: er verzehrte sein ganzes Vermögen, verkaufte seine Tochter Mestra als Sklavin, welche, eine Geliebte des Neptun, von diesem die Gabe erhielt, sich in verschiedene Gestalten verwandeln zu können, und so als Vogel, als Kuh, als Ross immer wieder zu ihm zurückkehrte, um sich von neuem verkaufen zu lassen; doch Alles dieses war dem entsetzlich Gestraften noch nicht genug, und er frass sich zuletzt Hände, Arme und Beine, so weit er dazu gelangen konnte, ab, und starb dann des elendesten Todes.

So stehts beim Vollmer. Und warum mir das im Zusammenhang mit Banken einfällt? Keine Ahnung. Wirklich nicht.

  • Die Mission ist geglückt, die Farce kann starten:
    • Wahlgeschenke versprechen: Steuersenkungen, Mehr Netto vom Brutto etc. Dabei genau wissen, dass man es nicht bezahlen kann.
    • Wählen lassen.
    • Kassensturz machen und mit überraschter Miene sagen “Huch, soviel Geld ist ja gar nicht mehr da”
    • Schon mal in der Presse lancieren, dass so viel Geld wie gedacht nicht da ist und dass man mit Schäuble einen ganz harten Hund zum Finanzminister gemacht hat.
    • Schließlich sagen:
      • Sorry, unsere Vorgänger haben so schlecht gewirtschaftet, es gibt doch nicht mehr Geld. Ganz im Gegenteil, alle werden mehr zahlen müssen für Kindergärten, Gesundheit, Rente etc.
      • Die Schuldenbremse lässt uns keine andere Wahl
      • Es gibt sowieso keine Alternative zu unserem Kurs.
      • Der Schäuble ist ein ganz harter Hund und gibt nichts raus
    • Angie mutiert zur Maggie, alle “sitzen jetzt in einem Boot”, müssen “gemeinsam anpacken”, wer jetzt nicht mitzieht, wird aus der Gemeinschaft ausgestoßen.
  • Guido Westerwelle ist die im Kanzleramt angekommene Spaßgeneration: er findet alles ganz toll und aufregend, freut sich wie ein Schneekönig und will am liebsten alle anderen Außenminister der Welt sofort zu seinen Facebook-“Freunden” hinzufügen und als XING-Kontakte eintragen. Besondere Merkmale: verjubelt Geld, dass andere verdient haben, macht Schulden und schert sich nicht eine Sekunde darum, wer es zurückzahlen muß. Apres moi, la faillite.